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11.03.2008
 

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TOD AUF DER WACHE

Polizisten sollen Türken misshandelt haben

Mysteriöser Tod auf einer Polizeiwache in Hagen: Ein junger Türke randalierte, dann kollabierte er und erlitt einen Herzstillstand: Wurde er von Polizeibeamten misshandelt? Einem Bericht zufolge gibt es entsprechende Hinweise.

Hagen - Der Tod des 26-Jährigen nach dem Aufenthalt auf einer Polizeiwache gibt Rätsel auf: Die Aussagen von Ärzten und Zeugen ließen Zweifel an der bisherigen Darstellung der Hagener Staatsanwaltschaft aufkommen, berichtet die "Frankfurter Rundschau". So habe eine Gerichtsmedizinerin "Hämatome über der linken Augenbraue sowie am rechten Oberlid" festgestellt, die "Ausdruck einer stumpfen Gewaltanwendung von außen" seien.

Zudem liege der Zeitung eine Aussage einer Notärztin vor, laut der der 26-Jährige "möglicherweise mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen" wurde. Nach Angaben der Zeitung kann zudem die Hauptentlastungszeugin der Polizei von dem Vorfall auf der Wache nichts mitbekommen haben, da sie sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in einem anderen Bereich des Raumes befand.

Der Mann hatte am 17. Februar die Polizei gerufen, weil er sich von einem "Schwarzen Mann" verfolgt fühlte. Da er einen verwirrten Eindruck machte, wurde er auf die Wache mitgenommen. Als er dort zu randalieren anfing, wurde er auf einer Krankentrage fixiert. Dann kollabierte er und erlitt einen Herzstillstand. Nach der zunächst erfolgreichen Wiederbelebung lag der Patient im Koma und starb am Mittwoch vergangener Woche. Die Mutter des Toten stellte Anzeige gegen die beteiligten Beamten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der junge Mann jedoch kein Opfer von Polizeigewalt. Es habe sich dazu nichts Neues ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker. Die Polizei könne Randalierer fixieren, die sich oder andere gefährdeten. "Die Polizei kann auch Zwangsmaßnahmen nutzen, wenn einer rumtobt und rumspringt", sagte Münker. "Dass das mit der einen oder anderen Schürfwunde oder Hämatomen abgeht, muss klar sein." Wenn jemand Widerstand leiste, sehe das Polizeigesetz unmittelbaren Zwang vor: "Das wird dort auch so gewesen sein." Es gebe aber keine Hinweise, dass dies auch nur im Entferntesten mit dem Zusammenbruch und dem späteren Tod des Mannes zu tun gehabt habe.

Den Ermittlungen zufolge war der Zusammenbruch des Mannes offenbar auf seinen Drogenkonsum zurückzuführen. Die bisherigen Untersuchungen hätten eine hohe Drogenkonzentration in seinem Blut gezeigt, sagte Münker. Dies könne das Herz-Kreislauf-System stark belasten. Die lange Reanimationsdauer habe dann offenbar zu dem Hirnödem geführt, an dem der 26-Jährige gestorben sei. "Das ist im Moment der Stand der Dinge."

Bis zum Vorliegen des endgültigen Gutachtens werde es aber noch einige Zeit dauern.

jjc/ddp/AP




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